ADVENT 2020 - Fürchtet Euch nicht!

Ein bunter Strauß voll Zuversicht

Was seht ihr?

Vielleicht auf den ersten Blick dichte Stadtbebauung? Enge und steinige Mauern?

 

Mich hat die Vielfarbigkeit der Steine begeistert. Eigentlich doch alles dasselbe - und nichts Besonderes.

Einfach Mauern, Fassaden, steinige Merkmale der Zivilisation. Und doch: auf den zweiten Blick sind da unheimlich viele Farbschattierungen dieses Buntsandsteins - mit viel Hingabe und Mühe aus den Steinbrüchen gewonnen, zurecht geschnitten, ausgesucht und an ihre Stelle gesetzt. Hier ein Erker, da ein Türmchen, dort ein Fenster. Eigentlich doch richtig schön!

 

"...und sie fanden keinen Platz in der Herberge."

Stellt Euch vor, ihr habt keine Bleibe und schaut jetzt auf diese Szenerie: habt ihr jetzt immer noch den Blick für die Schönheiten der Architektur? Oder wirken die verschlossenen Fenster und Türen und die massiven Mauern jetzt doch eher feindlich?

 

Es ist doch erstaunlich, wie sich der Blick auf ein und dieselbe Sache durch die jeweilige Perspektive ändert, oder?

Vielleicht können wir diese Erfahrung der unterschiedlichen Perspektiven speichern und anwenden: wenn die Familie aus der Asylunterkunft uns begegnet und wir versuchen, einen Augenblick unseren Stadtteil durch ihre Augen zu sehen; wenn die Nachrichten ihre Berichte aus der Sicht der Privilegierten schildert und wir einen Moment versuchen, uns in die Betroffenen  hinein zu versetzen - nicht in der Draufschau, sondern so, als ob wir selber betroffen wären.

 

Zu diesem Blickwechsel lädt auch die Weihnachtsgeschichte mit der Herbergssuche ein: natürlich verstehen wir die Wirte, die ja nichts dafür können, wenn alles voll belegt ist! Aber weil wir nunmal wissen, WER da Unterkunft sucht, schmilzt unser Verständnis auf einmal ganz rapide. Hinterher weiß man es immer besser.

 

Lasst uns doch ab und zu versuchen, die Geschichte vom Ende her zu denken. Vielleicht ergeben sich dann Räume, in denen ihr auch überraschende Gäste unterbringen könnt - und dann entpuppt sich der Gast auf einmal als der, der Euch durch sein Dasein beschenkt?!